Ruderkurse für alle Altersgruppen starten
am Samstag, den
05.Mai 2012
15:00 bis 18:00 Uhr
Ansprechpartner:
Erwachsene: Ingo Hüttner
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Jugendliche: Hannes Jeltsch
Kinder: Jan Liero
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Eine nachdenkliche
Betrachtung von Wolfgang Grädler
Die Zeit verrinnt wie im
Fluge und als Erinnerung an die bis 1989nicht mögliche, aber heute als selbstverständlich empfundene
„Wannsee-Umfahrt-Ruderstrecke“ hier Erinnerungen unseres damaligen Trainingsmannes
und Trainers Wolfgang Grädler an diese durch 400 m DDR-Grenzanlagen bei
Babelsberg nicht mögliche Umfahrt.
Der Start erfolgte überwiegend
vom Bootshaus des PRC-G aus in Richtung Griebnitzsee. Über die insbesondere an
den Wochenenden sehr stark von Motorbooten befahrenenSeen Grosser und Kleiner Wannsee, Pohlesee
und Stölpchensee ruderten wir bis Anfang Griebnitzsee. Damals gab es in West-
Berlin ca. 50 000 Motorboote, die sich aufgrund des „eingemauerten“ West-Berlin
nur auf den zugehörigen Gewässern tummeln konnten. Daher mussten wir am
Wochenende immer sehr früh trainieren und bis ca. 9 Uhr wieder zurück sein, um
diesem Chaos auf dem Wasser auszuweichen.
In Griebnitzsee-Anfang
konnte man sich dann entscheiden: Entweder zuerst Richtung Osten in den
Teltowkanal bis zur Grenze bei Albrechts Teerofen oder zuerst geradeaus bis zur
Grenze bei Griebnitzsee Ende. Im
Fahrtenbuch waren das dann 14km (statt Albrechts Teerofen wurde immer
Kremnitzbrücke eingetragen) bzw. 16 km (großzügig gerechnet!), beide
Grenzpunkte hintereinander gerudert ergaben stolze 20km (!).
Im Teltow-Kanal bei
Albrechts Teerofen war der Teltow-Kanal bereits mittig mit Grenzbojen geteilt
und ein Weiterfahren verboten. Hier gab es 1965 einen tödlichen
Grenzzwischenfall, als Grenz-Soldaten der DDR zwei West-Berliner Kanuten, die
ahnungslosdie „falsche“ Hälfte des
Teltow-Kanals befuhren, mit Schüssen den einen Kanuten tödlich verletzten und
den anderen schwerstbe-hindert überleben ließen.
In dieser “Teltow-Kanal-Sackgasse“
war zum Glück kaum Schiffsverkehr, so dass wir Trainierenden hier nach Zeit und
mit Funk- oder Fahnen-Signalen unsere 500m- und 1000m-Meßstrecken bis zu 8x
durchruderten (500 m).
In Richtung Griebnitzsee
Ende war auch der Griebnitzsee nach ca. 300 m halbseitig DDR-Gebiet und durch
Metall-Gitterzäune und doppelte Grenzbojen (DDR- und West-Berliner-Bojen)geteilt. Hier gab es häufig ein „Katz und
Maus-Spiel“: Die DDR-Grenzboote auf der DDR-Seite machten sich meist einen Spaß
daraus, die auf dem Griebnitzsee trainierenden Ruderboote mit hohem
Wellenschlag zu „ärgern“. Auch entsprechende Zurufe oder Gesten zur
Beschwichtigung von Trainern oder Ruderern blieben weitgehend wirkungslos! Um
den Seewinkel bei Griebnitzsee-Mitte konnten immerhin 2x 3min Intervalle
gerudert werden.
Darüber hinaus war der
gesamte DDR-Uferstreifen mit einer 3 m hohen Mauer hermetisch abgeteilt.
Über die öffentliche
Nutzung des Griebnitzsee-Ufer-Grenzposten-Weges wird heute immer noch zwischen
den Grundstücks-Eigentümern und der Stadt Potsdam gestritten.
Jürgen Langer (Packer)
verblüffte als Gig-Einer-Ruderer immer wieder mit Eintragungen im Fahrtenbuch
wie: 2x Griebnitzsee Mitte + 2x Kremnitzbrücke : Das waren immerhin 30km ! Manch
einer meinte, das wäre Rudern wie im Hamster-Laufrad.
Starteten wir vom
PRC-G-Bootshaus Richtung Glienicker Brücke, was aufgrund der vielen Motorboote,
Dampfer und der Westwind-Empfindlichkeit relativ selten vorkam, konnten wir
auch nur bis kurz hinter die Glienicker Brücke rudern, da dort die DDR-Grenze
mittig im Glienicker See und direkt vor dem Teltow-Kanal in Höhe Maschinenhaus
Babelsberg verlief.
Ruderten wir um die
Pfaueninsel herum, begann die DDR-Grenze bereits mittig die Havel auf Höhe der
Landzunge hinter der „Meierei“ zu teilen. Dort waren wieder die bekannten
doppelten Bojenreihen ausgelegt, die manchmal bei ungesteuerten Booten Anlass
für „nicht geplante Berührungen“ waren.
Einige Experten meinten,
dass es sich auch teilweise um die Spezies von sog. „Spring-Bojen“ handelt, die
mal hier mal da plötzlich auftauchten!
Absoluter „Grenz-Bojen-Höhepunkt“
war die Grenzziehung bei Moorlake, wo die Grenze sich sehr spitz in die Moorlake-Bucht
erstreckte und normalerweise an ein
flüssiges „Durchrudern“ dieser Engstelle nicht zu denken war.
Manch ein Trainingsmann
hat trotzdem diese Grenzspitzekurzzeitig auf DDR-Gebiet geradeaus durchrudert. Anfänglich wurden Boote
und Ruderer als „Grenzverletzer und Provokateure“ von den DDR-Grenzbooten
aufgebracht und über Potsdam wieder nach West-Berlin entlassen. Später war dies
anscheinend der DDR zu mühsam und das Durchfahren des kleinen Zipfels wurde
toleriert.
Auch war der gesamte
DDR-Uferstreifen wiederum mit einer 3 m hohen Mauer abgeteilt. Die nunmehr wunderhübsch
renovierte Sacrower Heilandskirche war eingemauert und dem Verfall
preisgegeben: Aus dem Dach wuchsen Bäume und die Ufermauer bröckelte zusehends.
Die DDR-Grenze teilte den
Jungfernsee ebenso wie die Glienicker Brücke mittig und ließ nur einen Teil des
dahinter liegenden Glienicker Sees für Boote aus West-Berlin zum Befahren zu.
Dort war dann der
Wendepunkt. Das Schloss Babelsberg wie auch das direkt am Ufer liegende
Maschinenhaus und die Gaststätte „Bürger-Bräu“ waren dem Verfall preisgegeben
und mit Gitterzäunen und hohen Mauern abgeteilt.
Besonders bedrückend
waren die direkt am Ufer des Schlosses Babelsberg installierten
„Hunde-Laufanlagen“, die Flüchtende aufhalten sollten. Das Geheul der dort an
langen Leinen angeketteten, halb verhungerten Schäferhunde
war oft zu hören.
Fazit:
Welch ein Wunder, dass
wir nun seit mehr als 20 Jahren die Wannsee-Umfahrt ungestört in voller
Schönheit der Natur vorbei an 4 Schlössern und 2 Kirchen mit Glockenspielerleben dürfen.